Schabbat Shalom - 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland

Schabbat Shalom - 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland

JLID - Die Lehrer eines kleinen Mädchens

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Die Lehre eines kleinen Mädchens

Rabbi Jehoschua sagte: Ich wurde einest von einem kleinen Mädchen besiegt. Ich war auf einer Reise und sah einen Pfad durch ein Feld, der durch andere Reisende entstanden war, und ging ihn entlang. Ein kleines Mädchen fragte mich: „Ist dies nicht ein Feld?“ Ich antwortete: „Nein, es ist ein ausgetretener Pfad.“ Sie antwortete: „Willst du, weil andere das Feld zertrampelt haben, dasselbe tun?“ Babylonischer Talmud, Eruwin 53b

Die offensichtlichste Bedeutung dieser talmudischen Erzählung ist, dass wir Menschen dazu neigen, den einfachsten Weg zu gehen und wir machen uns dabei keine Gedanken, solange andere ebenfalls jenen einfacheren, kürzeren Weg schon mal gegangen sind.

Und vielleicht scheint uns die subtile Zurechtweisung des kleinen Mädchens übertreiben zu sein. Schließlich ist der Pfad durch das Feld eine Abkürzung und es hat keine Schäden verursacht – zumindest keine zusätzlichen.

Oder vielleicht doch. Denn was ist mit der ersten Person, die über das Feld gelaufen ist und langsam Schritt für Schritt mit jeder folgender Person das Feld zu einem ausgetretenen Pfad machte?

Und nur weil eine erste Person so gegangen ist und andere im Laufe der Zeit ebenfalls gegangen sind, wieso kann Rabbi Jehoschua daraus erschließen, dass er es auch tun darf?

Und was wenn es nicht um ein Feld handelt sondern um was ganz anders. „Ach ich trenne meinen Müll nicht, denn ich sehe wie meine Nachtbaren deren Müll ebenfalls nicht trennen.“ „Wieso muss ich eine Maske tragen, die anderen Fahrgäste in der U-Bahn tragen eh auch keine?“

Solche Szenarien erleben wir tagtäglich – weil manche sich nicht an die Regeln – die offiziellen wie auch die inoffiziellen – halten wollen und dabei denken nicht wenige Menschen, „warum denn muss ich mich korrekt verhalten und ebenfalls an die Regeln halten?“. Selten – zumindest ist das meine Erfahrung – folgen Konsequenzen auch wenn es um vergleichsweise kleinere „Verstößen“ geht.

Das Beispiel des Maske Tragens veranschaulicht das Problem am deutlichsten. Eine Maske zu tragen an sich ist eine kleine Handlung, es bedarf keiner großen Anstrengung. Trotzdem, weil manche es nervig finden, tragen viele keine Maske und die möglichen Schäden sind eventuell enorm.

Der Talmud ermahnt uns nicht immer das Einfachste oder das Bequemste, nur weil andere es auch so tun. Dieser Text aus dem Talmud ist die kleine Stimme des Mädchens – wir täten alle gut ihr zuzuhören.

Ihre Chawwah Grünberg

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Über diesen Podcast

Die erste urkundliche Erwähnung jüdischen Lebens auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands stammt aus dem Jahr 321 n.Chr. – deswegen wird in diesem Jahr das Jubiläum begangen.

Jeden Freitag nehmen uns junge Jüdinnen und Juden dazu in diesem Podcast mit in die Welt des Judentums. Die Stipendiatinnen und Stipendiaten des Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerks, dem Begabtenförderungswerk der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland, teilen mit uns ihre Gedanken zum Schabbat und zum jüdischen Leben in Deutschland.

Auf der ganzen Welt ist für Jüdinnen und Juden der Schabbat der Ruhetag. Er beginnt am Freitag mit Sonnenuntergang und endet am Samstagabend. An diesem Tag kommen Familie und Freundinnen und Freunde zusammen, der Tag ist ganz der Ruhe gewidmet.

„Schabbat Shalom“ – „Einen friedlichen Schabbat“ – ist der traditionelle Gruß für Jüdinnen und Juden.

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